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3.10.2025–30.8.2026

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Samuel van Hoogstraten, Trompe-l’Oeil-Stillleben, 1655 © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien


Der im niederländischen Dordrecht geborene Samuel van Hoogstraten war ein Schüler Rembrandts. Als Künstler hegte er eine besondere Vorliebe für die im 17. Jahrhundert europaweit gefragte Illusionsmalerei: das sogenannte Trompe-l`oeil.  Der Begriff kommt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt: "Täusche das Auge".

Das hier gezeigte Stillleben ist ein imponierendes Beispiel dieser Art Malerei. Durch geschickte perspektivische Darstellung gelingt es Hoogstraten, eine nicht vorhandene Räumlichkeit vorzutäuschen. Der Maler gaukelt uns vor, auf die Tür eines hölzernen Wandschranks zu blicken. An Nägeln hängen neben einem weißen Staubtuch ein schwarz gerahmter Spiegel, ein Staubpinsel und eine lederne Stecktasche. Diese Gegenstände des täglichen Bedarfs sind realistisch präzise in ihrer Originalgröße wiedergegeben. Das ausschlaggebende Element für den illusionistischen Effekt ist aber das von links einfallende Licht. Es ist so natürlich gestaltet, dass die Objekte präsent und zum Greifen nah erscheinen.

Das Stillleben entstand auf Hoogstratens zweiter Reise nach Wien im Februar 1655. Vier Jahre zuvor hatte er schon einmal die Donaustadt besucht und war beim Kaiser vorstellig gewesen. Dieser war so begeistert von Hoogstratens Trompe-l`oeil-Malerei, dass er dem Künstler eine goldene Bildnismedaille verlieh. Diese ist auch Teil des Stilllebens. Sie steckt – ein wenig vom Staubtuch verdeckt – in der Ledertasche.