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3.10.2025–30.8.2026

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Peter Paul Rubens (Siegen 1577 – 1640 Antwerpen) unter Mitarbeit von Frans Snyders, Bacchische Szene: „Der träumende Silen“, um 1610–1612, Öl auf Leinwand, Legat von Graf Lamberg-Sprinzenstein, Wien, 1822


Der bocksbeinige Silen, der Lehrer und Begleiter des römischen Weingottes Bacchus, steht im Zentrum der üppigen Szene: Schlaftrunken hat er sich im linken unteren Bereich des Bildes an den Kopf eines Panthers geschmiegt. Genüsslich kaut das Raubtier an einem Bündel Trauben.

Aus Trauben wird Wein gemacht: der Urstoff des Gottes Bacchus. Dieser hat sich oberhalb des Silens mit einer jungen Frau eingefunden. Mit beiden Händen drückt sie den Saft der Trauben in eine Schale, aus der Bacchus mit erhitzten Wangen einen kräftigen Schluck nimmt. Genau dieses Trinkgefäß verbindet die Figurenszene mit den zahllosen Behältnissen auf der rechten Seite des Bildes. Einige dieser Luxusgefäße aus Porzellan, Gold und Glas sind üppig mit Wein gefüllt – als Sinnbild des Überflusses, Reichtums und ausufernden Alkoholkonsums.

Blicken wir in die Traumwelt des im Weinrausch eingeschlummerten Silens?
Ohne Zweifel lässt ein unverhältnismäßiger Weingenuss gemeinhin emotionale Barrieren fallen. Ob der junge Mann im rechten oberen Bildfeld sein Ziel erreichen wird und bei der jungen Frau die moralischen Fesseln lösen kann? Die Antwort bleibt offen.

Peter Paul Rubens schuf dieses im Kontext seines Oeuvres außergewöhnliche Gemälde wenige Jahre nach seiner Rückkehr aus Italien. Rubens ist als Figurenmaler in die Kunstgeschichte eingegangen, doch dieses Werk stellt eine beeindruckende Mischung aus einem Stillleben und einem Historienbild dar.