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3.10.2025–30.8.2026
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Lucas Cranach d. Ä. (Kronach 1472 – 1553 Weimar), Lucretia, 1532, Öl auf Rotbuche, Legat von Graf Lamberg-Sprinzenstein, Wien, 1822
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Über die tragische Geschichte der Lucretia sind wir durch den römischen Schriftsteller Titus Livius unterrichtet. Laut seiner Erzählung war Lucretia im späten sechsten Jahrhundert vor Christus die Gemahlin des Collatinus. Sie wurde von Sextus Tarquinius, dem Sohn des siebten und letzten Königs von Rom, Tarquinius Superbus, unter Androhung von Mord und Inszenierung angeblicher Untreue vergewaltigt. Diese Gewalttat hatte für Rom weitreichende Folgen: Denn die Rache der Angehörigen führte zum Sturz des Königs und zur Gründung der römischen Republik.
Der Legende nach rief die vergewaltigte Frau den Ehemann und ihren Vater zu sich. Sie berichtete ihnen von der abscheulichen Tat des Königsohns – und wurde von beiden für „unschuldig“ befunden. Dennoch nahm sich Lucretia mit einem Dolch das Leben. Dieser Akt wurde aus patriarchaler Sicht als Wiederherstellung ihrer „weiblichen Ehre“ gedeutet und Lucretia in Folge als Vorbild für die Tugendhaftigkeit von Ehefrauen vorgeführt.
Lucas Cranach, neben Albrecht Dürer der wohl erfolgreichste deutsche Künstler in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, hat das Motiv der Lucretia mit dem Dolch als ihr Attribut wiederholt dargestellt. Die Zahl der erhaltenen Versionen – es sind mehr als 40 – bezeugt die aus heutiger Sicht fragwürdige Popularität dieses antiken Themas in der Neuzeit, in der erstmals ein Kunstmarkt für private Sammlungen entstand. Die Figur der Lucretia bot dem Künstler die Gelegenheit zur Aktdarstellung. Ein Studium nach der Natur ist zu erahnen, doch scheint Cranach weniger um anatomische Richtigkeit bemüht als vielmehr um eine ästhetisch reizvolle Darstellung. So brilliert Cranach in diesem kleinformatigen Gemälde durch die graziöse Haltung des weiblichen Aktes mit seinen klaren Konturen vor schwarzem Hintergrund.
Der Legende nach rief die vergewaltigte Frau den Ehemann und ihren Vater zu sich. Sie berichtete ihnen von der abscheulichen Tat des Königsohns – und wurde von beiden für „unschuldig“ befunden. Dennoch nahm sich Lucretia mit einem Dolch das Leben. Dieser Akt wurde aus patriarchaler Sicht als Wiederherstellung ihrer „weiblichen Ehre“ gedeutet und Lucretia in Folge als Vorbild für die Tugendhaftigkeit von Ehefrauen vorgeführt.
Lucas Cranach, neben Albrecht Dürer der wohl erfolgreichste deutsche Künstler in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, hat das Motiv der Lucretia mit dem Dolch als ihr Attribut wiederholt dargestellt. Die Zahl der erhaltenen Versionen – es sind mehr als 40 – bezeugt die aus heutiger Sicht fragwürdige Popularität dieses antiken Themas in der Neuzeit, in der erstmals ein Kunstmarkt für private Sammlungen entstand. Die Figur der Lucretia bot dem Künstler die Gelegenheit zur Aktdarstellung. Ein Studium nach der Natur ist zu erahnen, doch scheint Cranach weniger um anatomische Richtigkeit bemüht als vielmehr um eine ästhetisch reizvolle Darstellung. So brilliert Cranach in diesem kleinformatigen Gemälde durch die graziöse Haltung des weiblichen Aktes mit seinen klaren Konturen vor schwarzem Hintergrund.
