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3.10.2025–30.8.2026

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Johann Baptist Lampi d. Jüngere (Trient 1775 – 1837 Wien), Bildnis des Bildhauers Antonio Canova, nach 1806, Öl auf Leinwand, Legat von Graf Lamberg-Sprinzenstein, Wien, 1822


Anlässlich der Aufstellung des Grabmales der Erzherzogin Marie Christine in der Augustinerkirche weilte Canova 1805 in Wien. Bei seinem ersten Wienbesuch im Jahr 1798 hatte er dazu den Auftrag erhalten und war gleichzeitig von Johann Baptist Lampi in einer Porträtskizze festgehalten worden. Der Wiener Hof hatte sich damals erfolglos bemüht, den in Rom führenden Bildhauer an Wien zu binden. Canova erfüllte allerdings die Funktion eines Beraters in künstlerischen Fragen und kümmerte sich um die Romstipendiaten der Akademie.

Lampi der Jüngere folgt in diesem Porträt der Komposition seines Vaters und stellt Canova in seinem Atelier und vor dem schlafenden Genius des Christinengrabmals in Dreiviertelansicht dar. Mit der Rechten stützt er sich auf den Stiel eines Hammers, der auf dem Modellierhockerl aufliegt. Der Bildhauer posiert vor seinem fertigen Werk, in der Linken noch den Meißel haltend. Diese Pose ist fast barock und steht ein wenig im Gegensatz zur genauen Schilderung der sensiblen Physiognomie. Doch letztlich geht es um diese Überhöhung der bildhauerischen Tätigkeit durch eine einfühlsame Künstlerpersönlichkeit, und der Lorbeerkranz ist nur noch ein weiterer Hinweis auf die überragende Stellung Canovas.