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3.10.2025–30.8.2026

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Jacob van Ruisdael (Haarlem 1628/1629 – 1682 Amsterdam), Lichtung in einem Forst, um 1646, Öl auf Eiche, Erwerbung im Tausch, Wien, 1924


Wie kein zweiter Künstler hat Jacob van Ruisdael die niederländische Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts geprägt. Seine Ausbildung hat er wohl von seinem Onkel Salomon van Ruysdael erhalten, der neben Jan van Goyen zu den Pionieren der reinen Landschaftsmalerei in den Niederlanden gezählt wird.

Johann Wolfgang von Goethe lobte in seinem Aufsatz Ruisdael als Dichter einerseits des Künstlers Talent
„[…] im Gegenwärtigen das Vergangene darzustellen […]“,

und andererseits
 „[…] das Abgestorbene mit dem Lebendigen in die anschaulichste Verbindung […]“

zu bringen.

Dies tritt auch in Ruisdaels Waldlichtung offen zu Tage. Das Gemälde entstand in den Jugendjahren des Künstlers. Im Vergleich zur älteren Malergeneration entwarf der junge Künstler ein neues Bild der Natur, das keinerlei Anzeichen einer von Menschenhand kultivierten Landschaft zeigt. Vielmehr scheint es, als ob die Natur das Individuum zu überwuchern droht. Jedenfalls wirkt der vom Künstler am linken Bildrand regelrecht versteckte Jäger in der Landschaft verloren. In der vorderen linken Bildecke kombiniert Ruisdael einen Baumstumpf mit einem üppig gedeihenden Strauch – ein eindeutiger Hinweis auf das existentielle Drama des Werdens und Vergehens.